Startseite » Symposien » 2010
Symposium des VBWW 2010

Symposium 2010 des VBWW

"Frauen in der Wissenschaft - Chancen und Risiken neuer Karrieremodelle" (Karlsruhe)

Am 12. November 2010 fand am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) das jährliche Symposium statt. Es richtete sich nicht nur an Verbandsmitglieder, sondern stand auch allen Professorinnen, Wissenschaftlerinnen und Studentinnen offen.

Symposium 2010 des VBWW

Freitag, 12. November 2010KIT Karlsruhe

Die Presseerklärung dazu vom 05.11.2010 finden Sie: hier

Um das Programm herunterzuladen klicken Sie bitte auf das Bild unten.

Eindrücke von der Veranstaltung

Über 60 Teilnehmerinnen folgten der Einladung des VBWW zum Symposium „Frauen in der Wissenschaft – Chancen und Risiken neuer Karrieremodelle“. Wissenschaftlerinnen aus den Regionen  Freiburg, Karlsruhe, Heidelberg, Stuttgart und kamen zur Tagung nach Karlsruhe.

Prof. Ute Mackenstedt, die Vorsitzende des VBWW, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie beschrieb die verschlungenen Pfade einer wissenschaftlichen Karriere Diese begann bislang mit der Promotion, an die sich eine Habilitation anschloss, die Voraussetzung für eine Berufung auf eine Professur war. Das Ziel, die Übernahme einer Professur konnte häufig erst nach 10-15 Jahren erreicht werden. Mittlerweile sind viele Veränderungen eingeführt worden, die die Wege zu einer wissenschaftlichen Karriere maßgeblich verändert haben. Die Habilitation wurde nicht mehr als alleinige Voraussetzung angesehen, um sich auf eine Professur bewerben zu können. Dies wurde auch erreicht durch die Einführung der Junior-Professur, die allerdings nur zögerlich von den Universitäten eingeführt worden ist. Aber Juniorprofessuren stellen hohe Anforderungen an die Stelleninhaberinnen und Stelleninhaber. Sie sollen eine eigenständige Lehre aufbauen, eigene Drittmittel einwerben und sich als eigenständige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler etablieren, ohne die Sicherheit eines tenure tracks zu haben. Die Einführung der Juniorprofessur hat unbestreitbare Vorteile, aber möglicherweise hat sie auch Nachteile, insbesondere für Frauen, die neben ihrer wissenschaftlichen Karriere häufig auch die Kinderbetreuung organisieren müssen.

Ministerialdirektor Klaus Tappeser vom MWK betonte, dass eine deutliche Erhöhung des Frauenanteils vor allem in den Führungspositionen der Wissenschaft auch auf Grund der demographischen Veränderungen erforderlich sei. Siehe auch Presseinformation des MWK.

Der Präsident des Karlsruher Instituts für Technologie – KIT, Prof. Eberhard Umbach, stellte das vom KIT entwickelte Modell der „shared professorship“ vor. Er zeigte anhand verschiedener Beispiele die Probleme auf, die Wissenschaftlerinnen zusätzlich zu ihren Aufgaben in Forschung und Lehre zu bewältigen haben. „Wir tun am KIT viel, um jungen Frauen mit Kindern zu helfen. Es gibt aber offensichtlich subjektive und objektive Bedingungen, die Frauen daran hindern, eine Karriere in der Wissenschaft zu planen“. Eine Schiene ist die „Shared Professorship“, bei der junge Wissenschaftlerinnen zum einen Teil in Forschung und Wissenschaft an der Universität arbeiten, zum anderen Teil durch ihre Tätigkeit in der freien Wirtschaft Praxiserfahrungen sammeln können.

Fördermaßnahmen der DFG, die es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ermöglichen, ihre eigenen Stellen einzuwerben, wurden von Prof. Dorothea Wagner, Institut für Theoretische Informatik am KIT, vorgestellt. Die „forschungsorientierten Gleichstellungsstandards“, die die Unterrepräsentanz von Frauen in der Wissenschaft verringern sollen, sind hier ein wichtiges Instrument. vor. „Ich bin überzeugt, dass sich die Ergebnisse der DFG-Aktivitäten zur Gleichstellung bald zeigen werden. Ich ermutige Sie, durchaus Erstanträge an die DFG zu richten, denn bei der Antragsbearbeitung werden die Gutachter besonders darauf hingewiesen, dass es sich um einen Erstantrag handelt. Insofern gibt es hier einen Vertrauensvorschuss“.

Professorin Dr. Regine Gildemeister, Professorin für die Soziologie der Geschlechterverhältnisse am Institut für Soziologie an der Universität Tübingen, stellte spezielle Karrieremodelle für Frauen auf den Prüfstand. „Frauen sind „das Andere“, dessen gleichberechtigte Integration in Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit bislang nicht gelingt. Viele empirische Studien bestätigen die Zweiteilung der Gesellschaft“. Solange Männer die „Norm“ sind, nach der sich alle zu richten haben, bleiben Frauen im Nachteil. Frau Gildemeister forderte deshalb „Wir brauchen neue Strukturen, nicht nur Förderprogramme für Frauen“.

Den gesamten Vortrag finden Sie hier.

Professorin Milada Margarethe Mühlleitner, Institut für Theoretische Physik des KIT, vertrat die kurzfristig ausgefallene Professorin Cornelia Ruhe. Sie berichtete über ihre Erfahrungen als Juniorprofessorin und bewertete diese Karriereposition durchaus positiv: „Aus meiner Sicht ist die Juniorprofessur keine Professur zweiter Klasse, wenn sie mit einem tenure track verbunden ist“. Mühlleitner sah deutliche Profilierungsmöglichkeiten, bemängelte aber ebenfalls die hinderlichen, teilweise blockierenden Rahmenbedingungen des Systems, insbesondere bei der Kinderbetreuung.

Beim anschließenden abendlichen Get-together gab es einen regen Meinungsaustausch.